Czernowitz,
einst Klein-Wien genannt und ehemals Hauptstadt des Herzogtums
Bukowina, das bis 1919 zur k.u.k. Monarchie gehörte, hat eine
turbulente Geschichte hinter sich. Viele Volksgruppen, wie Deutsche,
Ukrainer, Rumänen, Polen und vor allem Juden lebten friedlich
nebeneinander. Das jüdische Bürgertum (Nachzulesen
„An der Zeiten Ränder“ herausgegeben von
Cecile Cordon und Helmut Kusdat) pflegte die deutsche Sprache und
Kultur als die Bukowina längst bei Rumänien war. 1941
brach jedoch auch hier das Nazi-Regime ein und vertrieb oder ermordete
gemeinsam mit den Rumänen die jüdische
Bevölkerung.
Heute
gehört Czernowitz zur Ukraine und teilt die Armut vieler
Provinzstädte dieses Landes. Leider verführt auch
hier die ausweglose Situation einer hohen Arbeitslosigkeit und
niedriger Einkommen viele Jugendliche Vergessen im Konsum von Drogen zu
suchen.
Soziale
Probleme der Ukraine
Als
Folge der anhaltenden Wirtschaftskrise in der Ukraine
verschärft sich auch die gesellschaftliche Krise. Etwa 80 %
der Bevölkerung leben in einer permanenten Notsituation.
Alkoholismus und Drogensucht, sowie die damit einhergehende
Beschaffungskriminalität (vor allem Kinder- und
Jugendkriminalität) erreichen erschreckende Ausmaße.
Wie
im Unicef Bericht vom 30.11.2006 vermerkt steht Osteuropa an der
Schwelle zu einer AIDS-Epidemie katastrophalen Ausmaßes, die
nur durch breit angelegte Aufklärungskampagnen verhindert
werden kann. In der Ukraine stiegen die Neuinfektionen von 14% im Jahr
2003 auf mehr als 35 Prozent in den ersten sechs Monaten des Jahres
2006 (lt. Unicef Bericht 30.11.2006). „Der Anteil der HIV
infizierten Menschen liegt mit 1,5 % der ukrainischen
Bevölkerung europaweit am höchsten.
Schätzungsweise ein Viertel der rund 377.000 HIV-infizierten
Menschen dort sind Jugendliche unter 20 Jahre.“ (Unicef
30.11.06)
Jugendliche,
die auf der Strasse leben, sind extrem gefährdet.
Vor allem Mädchen werden oft sexuell missbraucht oder
prostituieren sich, um an Drogen zu kommen. Von 29 Strassenkindern, die
in Odessa von einer lokalen Hilfsorganisation die Möglichkeit
zum HIV Test erhielten, waren 20 HIV-infiziert.
Auch
Czernowitz ist mit einer ständig wachsenden Anzahl von
Drogenkonsumenten konfrontiert. Nach offiziellen Angaben sind 10.000
– 12.000 Menschen drogensüchtig. Das sind etwa 9 %
der erwerbstätigen Bevölkerung. Rechnet man die
abhängigen Familienmitglieder dazu, vergrössert sich
die Zahl der Betroffenen auf das zwei- bis dreifache.
Es
gibt in Czernowitz noch kein städtisches Drogenzentrum.
Stiftung "Nova
Simja"
Der
Verein "Nova Simja" leistet Hilfe im Rahmen von Streetwork, indem die
MitarbeiterInnen Spritzenwechsel, Medikamentenverteilung und
AIDS-Tests, sowie Informationskampagnen und Aufklärung in
Schulen durchführen. Weiters betreut "Nova Simja" Kinder,
deren Eltern HIV-positiv oder AIDS-infiziert sind, wie auch Kinder die
bereits selbst erkrankt sind.
Tatyana
Berezhna, eine sehr mutige und entschlossene Frau, errichtete in
Eigeninitiative ein Zentrum für Suchtprävention und
Betreuung von drogensüchtigen Jugendlichen in Czernowitz.